Banken


Banken

Banken, Anstalten zur gewerbsmäßigen Vermittlung des Geld- und Kreditverkehrs. Dem kurzen, kaufmännischen Kredit dienen die Depositen- und Noten- oder Zettel-B. Beide besitzen eigenes Kapital, vermehren es aber: jene durch Annahme verzinslicher Geldeinlagen (Depositen), diese durch Ausgabe von Noten (Banknoten, s.d.). Damit verknüpft sich das Girogeschäft in modernem Sinn, d.i. Annahme und Leistung von Zahlungen in Wechseln, Schecks etc. für den Inhaber des Girokontos, ohne diesem Kredit und Zinsen zu gewähren, und das Kontokorrentgeschäft mit Gewährung von Kredit über die Einlage hinaus, Berechnung von Zinsen und meist Sicherstellung der Vorschüsse durch Hinterlegung von Wertpapieren oder Bestellung von Hypotheken seitens des Kontoinhabers. Dazu kommen ferner: das Lombardgeschäft, d.i. Darlehn auf kurze Fristen (bis 3 Monate) mit Sicherung durch ein bewegliches Pfand in Waren, Wertpapieren, Lagerscheinen u.a.; das Wechselgeschäft: Erteilung von Akzepten und Avals, Diskontierung von Wechseln, Kauf und Verkauf von Devisen; das Effektengeschäft: Kauf und Verkauf von Wertpapieren für eigene oder fremde Rechnung; das Emissionsgeschäft: Vermittlung bei Ausgabe von Staatspapieren, Aktien u.a.; statutenmäßig verboten ist bei den meisten Depositen- und Notenbanken die Teilnahme an Gründungen und Beteiligung am Börsenspiel; derartigen Geschäften widmen sich bes. die Mobiliarkredit-B., Kreditanstalten, so genannt nach ihrem Vorbild, dem 1852 von den Gebrüdern Péreire in Paris gegründeten Crédit mobilier. – Den langen Kredit für Grundbesitzer gegen hypothekarische Sicherstellung, Zahlung von Zins und jährl. Amortisationsquote gewähren die Hypotheken- und Bodenkreditanstalten, die ihr Stammkapital durch Ausgabe von Pfandbriefen u. dgl. vermehren. Ähnlicher Art sind die Land- oder Bodenrenten-B., zur Erleichterung der Ablösung der Grundlasten, und die Landes- oder Bodenkulturrenten-B., zur Melioration landw. Grundstücke. – Die Bau-B. dienen der Spekulation in städtischen Grundstücken und Bauanlagen. Eine besondere Art von B. sind auch die Sparkassen (s.d.).

Die B. werden meistens als Privatunternehmungen entweder von Einzelpersonen (Bankiers, s.d.) oder von Handelsgesellschaften oder von Aktiengesellschaften betrieben, doch gibt es auch zahlreiche Staats- und Provinzial-B., so die Russ. Reichs-B. (gegründet 1860), die Bulgar. National-B., zahlreiche deutsche Bodenkreditanstalten u.a. Weit verbreitet ist auch das System, wonach Noten-B. zwar als Aktiengesellschaften mit privaten Mitteln begründet werden, ihnen aber das alleinige oder mit nur wenigen B. von geringerer Bedeutung geteilte Recht auf Notenausgabe gewährt wird, wogegen der Staat einen bestimmten Anteil am Gewinn erhält. Diese großen staatlich begünstigten Zentral-B. haben Filialen an allen wichtigern Handelsplätzen. Beispiele: die B. von England (seit 1694), B. von Frankreich (1800), Österr.-Ungar. B. (1816), Deutsche Reichs-B. (1875), Niederländ. B. (1814), Banca d'Italia (1893) u.a. – Vgl. Schweitzer (1902), Leitner (1903).


http://www.zeno.org/Brockhaus-1911. 1911.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Banken — Banken,   Unternehmen für Geldanlage und Finanzierung sowie für die Durchführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Nach allgemeinem Sprachgebrauch identisch mit Kreditinstituten, doch wird zuweilen auch der Begriff Bank dem der Sparkasse… …   Universal-Lexikon

  • Banken — Skyline: Frankfurt am Main ist Deutschlands Bankenplatz Nummer eins Eine Bank (ein Kreditinstitut) ist ein Unternehmen, das monetäre Problemlösungen für den …   Deutsch Wikipedia

  • Banken — Banken, Anstalten zur Vermittelung des Geld und Kreditverkehrs. Übersicht des folgenden Artikels: Die B. dienen in der Regel einem doppelten Zweck. Sie können einmal zur Regelung und Verbesserung des Zahlungswesens dienen, wie die Giro ,… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Banken: Vom Geldwechsler zum Bankier —   Der moderne Kapitalismus hat eine seiner Wurzeln in Italien. Geld und Kredit gab es zwar schon im antiken Rom und im indischen, chinesischen sowie im islamisch arabischen Kulturraum. Mit dem Niedergang des Weströmischen Reichs in den Wirren der …   Universal-Lexikon

  • Banken: Internationale Entwicklungsbanken —   Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde mit der Weltbank die erste öffentliche internationale Bank geschaffen, die sich gezielt Entwicklungsaufgaben widmet. In den 50er und 60er Jahren wurden weitere internationale Entwicklungsbanken sowie die… …   Universal-Lexikon

  • Banken in Heilbronn — Inhaltsverzeichnis 1 Vorbemerkung 2 Historische öffentliche Gebäude 2.1 Rathaus 2.2 Deutschhof 2.3 Sonstige historische öffentliche Gebäude …   Deutsch Wikipedia

  • Banken mit Sonderaufgaben — Kreditinstitute mit Sonderaufgaben; ⇡ Banken, die verschiedenartige Sonderaufgaben zu erfüllen haben und sich keiner Bankengruppe zuordnen lassen, z.B.: (1) Privatrechtliche B.m.S.: V.a. Ausfuhrkreditgesellschaft mbH (AKA), Deutsche Industriebank …   Lexikon der Economics

  • Banken-Informationssystem — 1. Begriff: Computergestütztes System (⇡ Computersystem) zur Automatisierung des Massengeschäfts, zur dezentralen Informationsversorgung und zur Abwicklung komplexer interner (z.B. Investitionskredite) und externer Aufgaben (Wertpapiergeschäft,… …   Lexikon der Economics

  • Österreichische Banken — Sitz der größten Bank Österreichs, der Erste Bank, in Wien. Das Österreichische Bankwesen verfügt über eines der dichtesten Bankennetze Europas, in dem im Jahr 2004 891 Kreditinstitute 5.252 Bankstellen (inkl. Hauptsitze) betrieben. Auf jede… …   Deutsch Wikipedia

  • Schweizer Banken — Das Schweizer Bankwesen zählt zu den bedeutendsten der Welt. Sein guter Ruf basiert auf der politischen und wirtschaftlichen Stabilität der Schweiz und auf dem Schweizer Bankgeheimnis. Kritiker werfen dem Bankenplatz Schweiz allerdings vor, er… …   Deutsch Wikipedia